Jürgen Flemming war für den OB ein „Bilderbuchstellvertreter“

Veröffentlicht am 20.08.2010 in Aus dem Parteileben

Er war in seiner Amtszeit das ideale Pendant zu OB Martin Herzog, der ihn einmal seinen „Bilderbuchstellvertreter“ nannte -- loyal, gescheit und witzig. Heute wird der frühere Erste Bürgermeister Dr. Jürgen Flemming 90 Jahre alt.

Seit zwei Jahren lebt der Jubilar im Paulinenstift, wohin er unter anderem zwei Dinge mitgenommen hat: Lektüre über die Bahn – und sein Fahrrad. Letzteres haben ihm seine Kinder vor vier Jahren geschenkt, und der Kilometerzähler zeigt inzwischen 4497. Die Erklärung: Der 90-Jährige unternimmt auch heute noch „Zweckfahrten“ zum Arzt oder zum Einkaufen auf zwei Rädern, und nicht etwa mit elektrischer Unterstützung. „Das ist praktisch, tut mir gut und ich bleibe beweglich“, sagt er. Viele Dinge seien „mit dem Rad leichter zu erledigen“.

Ein anderes Hobby von ihm war die Bahn. Er kannte die Zuganschlüsse und Verbindungen, ohne auf den Fahrplan schauen zu müssen. Bei Fragen zum Thema Schiene war man bei Dr. Flemming immer bestens aufgehoben. Für eine Elektrifizierung zwischen Ulm und Friedrichshafen, die es immer noch nicht gibt, hat auch er schon gekämpft.

Jürgen Flemming wurde am 21. August 1920 als Sohn des Luftschiffkapitäns Hans Curt Flemming geboren. Daher seine besondere Liebe zum Thema Zeppelin. 1938 legte er die Reifeprüfung ab und kam von April 1938 bis Mai 1945 zum Reichsarbeitsdienst und Wehrdienst. Nach eineinhalb Jahren in französischer Kriegsgefangenschaft wurde er im Juli 1946 entlassen. Danach studierte er Rechtswissenschaften und eröffnete am 1. Juli 1953 zusammen mit Dr. Hans Frey in Friedrichshafen eine Anwaltskanzlei. Ein Jahr später promovierte er zum Dr. jur. Als „junger Spund“ mit 30 Jahren wurde er in den Gemeinderat gewählt, dem er von 1951 bis zu seinem Dienstantritt als Erster Bürgermeister am 1. Mai 1967 angehörte.

Lange vor der Kreisreform, von 1960 bis 1969, war er Mitglied im damaligen Tettnanger Kreistag. Ab 1971 saß er im Kreistag des neuen Bodenseekreises, zuletzt als Fraktionsvorsitzender der SPD. Als Nachrücker war Dr. Flemming von Oktober 1955 bis März 1956 Abgeordneter des Landtags von Baden-Württemberg. Dieser kurze Ausflug in die Landespolitik genügte ihm allerdings. Zu sehr war er mit Friedrichshafen verbunden.

Der damalige OB Max Grünbeck animierte ihn für das Amt des Ersten Bürgermeisters, das er ab dem 1. Mai 1967 in seiner Heimatstadt bekleidete. Flemming war der kompetente Verwaltungsmann für den Bau des jetzigen Klinikums. Er trieb den Umbau des heutigen Karl-Olga-Hauses und früheren Krankenhauses in ein Altenwohnheim voran. Zu seinen Aufgaben gehörten neben der ständigen allgemeinen Vertretung des Oberbürgermeisters das Schul- und Krankenhauswesen, das Sozialwesen, die Aufgaben der öffentlichen Sicherheit und Ordnung, die Rechtspflege und die Verwaltung der städtischen und stadtgeförderten Wohnungen.

In vielen gemeinnützigen und karitativen Verbänden und Organisationen arbeitete Dr. Flemming mit. Im VdK und beim DRK, im Verwaltungsrat der Pflegeanstalt Pfingstweid oder in der Vertreterversammlung der AOK Bodenseekreis. Als Experte des öffentlichen Nahverkehrs war er ehrenamtlicher Fahrplanreferent der IHK, für die er die Interessen der Region in Stuttgart vertrat. Er war Gründungsmitglied des „Freundeskreises zur Förderung des Zeppelin Museums“, dem er viele Exponate aus der Zeppelin-Zeit seines Vaters zur Verfügung stellte.

Stolz ist der frühere Erste Bürgermeister darauf, wie sich seine Heimatstadt entwickelt hat. Für seine Verdienste wurde der begeisterte Segler 1981 mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland und 1982 mit dem Ehrenzeichen des Roten Kreuzes ausgezeichnet.

(Erschienen: 20.08.2010 auf schwaebische.de)

 

Homepage SPD Friedrichshafen (Archiv)

Termine

Alle Termine öffnen.

26.01.2019, 15:00 Uhr - 18:30 Uhr Kreisdelegiertenkonferenz SPD Bodenseekreis mit Neuwahlen zum Kreisvorstand
Kreisdelegiertenkonferenz der SPD Bodenseekreis mit Neuwahl des Kreisvorstandes …

Alle Termine